Herausforderung Ruhestand: So gelingt eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge

Redaktion
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Die Unternehmensnachfolge ist eine der größten Herausforderungen für kleine und mittlere Unternehmen. Eine rechtzeitige, gut geplante Übergabe ist entscheidend, um den Fortbestand zu sichern. Doch wie findet man die richtige Nachfolge?

Der Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und sichert Millionen Arbeitsplätze. Doch was passiert, wenn Inhaberinnen und Inhaber in den Ruhestand gehen?

Laut KfW ist von ca. 465.000 Unternehmen im Mittelstand auszugehen, die teils geplant, teils ungeplant bis Ende des Jahres 2025 ihre Geschäftstätigkeiten einstellen werden. Die Anzahl der Stilllegungen übersteigt die Anzahl der wahrscheinlich umgesetzten Nachfolgelösungen von etwa 400.000 im gleichen Zeitraum.

Die Nachfolge zu regeln, ist oft schwieriger als gedacht. Viele Betriebe stehen ohne Lösung vor dem Aus. Rolf Papenfuß, Referatsleiter für Unternehmensführung beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), erklärt, wie Sie diesen Prozess erfolgreich gestalten und die Zukunft Ihres Unternehmens sichern.

Warum frühzeitige Nachfolgeplanung entscheidend ist

Rolf Papenfuß warnt vor den wachsenden Herausforderungen der Unternehmensnachfolge im Handwerk: „Wir beobachten die Tendenz seit Jahren. Jetzt ist der Punkt erreicht, an dem der Mangel an potenziellen Nachfolgern massiv sichtbar wird.“ Der demografische Wandel und das gestiegene Interesse junger Menschen an einer akademischen Laufbahn verschärfen die Situation. Hinzu kommt, dass viele Unternehmerinnen und Unternehmer nun in den Ruhestand gehen – oft ohne eine geregelte Nachfolge.

Gibt es keine Lösung, müssen Inhaberinnen und Inhaber ihre Betriebe oft gezwungenermaßen selbst weiterführen. Wollen oder können sie das nicht, droht die Schließung. Das hat weitreichende Folgen: „Es geht nicht nur um den Vermögensverlust der Eigentümer und deren Altersversorgung, sondern auch um den Verlust von handwerklichem Know-how und wertvollen Arbeitsplätzen“, erklärt Papenfuß. Um dem entgegenzuwirken, sind Mittelstand und Handwerk mehr denn je auf innovative Unternehmerinnen und Unternehmer angewiesen.

Wer frühzeitig plant, steigert die Chancen auf eine erfolgreiche Geschäftsübergabe – und sichert den Fortbestand des Unternehmens für die nächste Generation.

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Unternehmensnachfolge: Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Eine frühzeitige Planung ist entscheidend für eine erfolgreiche Übergabe. „Spätestens mit 55 Jahren sollte sich jeder Unternehmer konkret mit der Unternehmensnachfolge beschäftigen“, rät Papenfuß. Wichtig sei es, frühzeitig potenzielle Käuferinnen bzw. Käufer oder Nachfolgerinnen bzw. Nachfolger zu identifizieren – sei es innerhalb der Familie, unter Mitarbeitenden oder externen Interessenten.

„Wer sich rechtzeitig mit der Nachfolgeplanung auseinandersetzt, hat genügend Zeit, potenzielle Nachfolger auf ihre Rolle vorzubereiten und einen Weg zu finden, den Übernahmepreis zu finanzieren“, so Papenfuß. Einige Unternehmen setzen bereits erfolgreich auf ein Modell, bei dem anstelle von Gehaltserhöhungen über mehrere Jahre Rücklagen gebildet werden. „Diese Rücklagen können helfen, einen Teil des Kaufpreises zu decken, wenn der Betrieb übergeben wird. Dieses Modell ist besonders wirksam, wenn es über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren umgesetzt wird“, erklärt Papenfuß.

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Erfolgsfaktoren für die Unternehmensnachfolge

Nicht jede oder jeder eignet sich für die Übernahme eines Unternehmens. „Fachliche Kompetenz ist essenziell. Eine Unternehmenschefin oder ein Unternehmenschef muss das eigene Handwerk verstehen, um marktfähige Produkte und Leistungen anbieten zu können“, betont Papenfuß. Doch technische Expertise allein reicht nicht aus.

Ebenso wichtig sind soziale Kompetenzen: „Eine Unternehmerin oder ein Unternehmer muss in der Lage sein, Mitarbeitende zu führen, Konflikte zu lösen und klar zu kommunizieren“, so Papenfuß. Führungspersönlichkeit und Teamfähigkeit sind entscheidend für den langfristigen Erfolg eines Betriebs.

Ein drittes, oft unterschätztes Kriterium ist kaufmännisches Know-how. „Eine geeignete Nachfolgerin oder ein geeigneter Nachfolger sollte nicht nur Spaß an Zahlen haben, sondern auch in der Lage sein, finanzielle Kennzahlen richtig zu bewerten“, sagt Papenfuß. Nur wer die wirtschaftliche Lage des Unternehmens versteht, kann fundierte Entscheidungen treffen und die Firma nachhaltig weiterentwickeln.

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Interne oder externe Nachfolge? Die besten Optionen im Überblick

Unternehmerinnen und Unternehmer haben verschiedene Möglichkeiten, eine geeignete Nachfolgelösung zu finden. Jede Variante hat ihre eigenen Vor- und Nachteile:

1. Interne Nachfolge

Eine interne Übergabe an Familienmitglieder oder langjährige Mitarbeitende hat den Vorteil, dass die Unternehmenswerte und Strukturen erhalten bleiben. Sie bietet zudem eine hohe Kontinuität für Mitarbeitende und Kunden.

  • Familieninterne Nachfolge: Der Betrieb bleibt in der Familie, doch emotionale Faktoren können eine Herausforderung sein.

  • Nachfolge durch Mitarbeitende: Langjährige Mitarbeitende sind mit den Abläufen vertraut, benötigen aber oft finanzielle Unterstützung für die Übernahme.

2. Externe Nachfolge

Findet sich kein interner Nachfolger, muss ein externer Käufer gesucht werden. Dies kann über verschiedene Wege erfolgen:

  • Suche über Nachfolgebörsen: Plattformen wie „nexxt-change“ helfen dabei, passende Käufer zu finden.

  • Verkauf an Investoren oder Wettbewerber: Strategische Investoren oder Wettbewerber können am Unternehmen interessiert sein.

  • Management-Buy-in (MBI): Externe Fachkräfte übernehmen das Unternehmen und bringen neue Impulse mit.

„Unternehmer sollten offen für alle Optionen sein und verschiedene Alternativen prüfen. Manchmal ist der beste Nachfolger nicht der, den man zuerst erwartet“, rät Papenfuß. Ein mögliches Modell könnte beispielsweise die Betriebsübernahme durch eine Fremdgeschäftsführerin oder einen Fremdgeschäftsführer sein. Bei dieser Art der Unternehmensnachfolge wird die Leitung an einen Dritten abgegeben, während der Senior-Unternehmer weiter der Eigentümer bleibt. Weitere Optionen wären die Verpachtung des Betriebes oder der Verkauf an einen externen Interessenten.

Unterstützung bei der Nachfolgesuche

Die Unternehmensnachfolge kann über verschiedene Kanäle erfolgen, darunter auch Plattformen wie nexxt-change oder die regionalen Betriebsdatenbanken der Handwerkskammern. Diese Online-Börsen bringen jährlich Hunderte von Suchenden mit potenziellen Nachfolgern zusammen und bieten Unterstützung beim Inserieren. Die Kammern und Verbände prüfen und korrigieren die Angebote, um nur seriöse Inserate zu schalten.

Industrie- und Handelskammern sowie Wirtschaftsverbände bieten wertvolle Unterstützung bei der Unternehmensnachfolge. Sie helfen mit:

  • Beratung zur Nachfolgeplanung

  • Vermittlung von Kontakten zu Nachfolgern

  • Workshops und Informationsveranstaltungen

Scheidende Unternehmer können sich Rat bei den Betriebsberatern der Handwerkskammern holen. Der Service ist kostenfrei, da er über Mitgliederbeiträge und teilweise auch öffentliche Fördergelder finanziert wird. „Unternehmen sollten die Angebote der Kammern frühzeitig nutzen. Diese Institutionen haben ein großes Netzwerk und können bei der Vermittlung passender Nachfolger helfen“, empfiehlt Papenfuß. Die frühzeitige Inanspruchnahme dieser Unterstützung erleichtert die Planung und hilft, passende Nachfolger zu finden, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten.

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Was potenzielle Nachfolger bei der Übernahme eines Unternehmens prüfen

Potenzielle Käuferinnen und Käufer legen besonderen Wert auf einen attraktiven Kundenstamm, moderne Maschinen, eine positive Ertragslage und einen fairen Kaufpreis. Das Unternehmen sollte nicht „runtergewirtschaftet“ sein. Doch leider kommt es vor, dass Inhaberinnen und Inhaber den tatsächlichen Wert ihrer Firma falsch einschätzen. „Ein Unternehmen mit vielen Aufträgen kann an Wert verlieren, wenn Maschinen bald ersetzt werden müssen oder wertvolle Mitarbeitende kurz vor dem Ruhestand stehen“, warnt Rolf Papenfuß.

Deshalb ist es wichtig, sich frühzeitig mit der Nachfolge zu befassen, Mängel vor dem Verkauf zu beheben und den realistischen Verkaufspreis zu ermitteln. „Verkäuferinnen und Verkäufer sollten ihr Lebenswerk nicht unter Wert verkaufen, doch Nachfolgende dürfen auch nicht mehr zahlen, als die tatsächliche Ertragskraft des Unternehmens widerspiegelt“, betont Papenfuß. Das bundesweit standardisierte AWH-Bewertungsverfahren, unterstützt durch die Beratungsstellen der Handwerksorganisationen, bietet eine verlässliche Grundlage, um den fairen Marktwert von Handwerksunternehmen zu ermitteln.

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Wichtige Vertragsaspekte für den Werterhalt eines Unternehmens

Es lässt sich nicht pauschal sagen, wie Verträge zu gestalten sind, um den Unternehmenserhalt zu garantieren. Doch es gibt bestimmte Aspekte, auf die Unternehmer bei der Vertragsgestaltung achten sollten, insbesondere wenn es um strukturelle Herausforderungen geht.

Im Handwerk kommt es häufig vor, dass privates und gewerbliches Eigentum miteinander verwoben sind. Ein typisches Beispiel ist, wenn Inhaberin oder Inhaber den Betrieb verkaufen möchte, aber weiterhin auf dem Grundstück wohnen bleiben will. „Um Konflikten vorzubeugen, sollte der Umgang mit solchen Besonderheiten klar und eindeutig in den Verträgen festgehalten werden“, rät Rolf Papenfuß. So kann der Übergabeprozess reibungsloser verlaufen und der Wert des Unternehmens erhalten bleiben.

Unternehmensnachfolge: So gelingt die Übergabe

Um eine reibungslose Übergabe zu gewährleisten, sollten Unternehmerinnen und Unternehmer professionelle Unterstützung in Anspruch nehmen. Die Betriebsübergabe ist ein komplexer Prozess, der viele Stolpersteine birgt. Neben bürokratischen und steuerlichen Hürden, wie etwa Änderungen in Bau- und Umweltvorschriften oder Betriebsgenehmigungen bei einem Inhaberwechsel, müssen auch psychologische Herausforderungen gemeistert werden: etwa die Akzeptanz des Käufers durch Kunden und Mitarbeitende. Da die Nachfolge für viele nur einmal im Leben relevant ist, ist eine fachkundige Beratung unerlässlich, um diese Herausforderungen erfolgreich zu meistern.

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Veröffentlicht am 27.03.2025

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