Glucose-Tracking: Hilft der Trick mit dem Blutzuckerspiegel?

Redaktion
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Mehr Energie, weniger Heißhunger und endlich Kontrolle über das eigene Gewicht? Klingt super, oder? Der Trend „Glucose-Tracking“ soll genau das schaffen. Doch Selbstoptimierung durch regelmäßiges Messen des Blutzuckerspiegels – klappt das wirklich? Wir verraten es dir!

Den eigenen Blutzuckerspiegel immer im Auge behalten. Das ist eigentlich etwas, was man bisher von Menschen mit Diabetes kannte. Bis jetzt. Denn in den sozialen Medien teilen immer mehr Influencerinnen und Influencer ihre Erfahrungen mit den sogenannten Glucose-Trackern und versprechen sich selbst und dir echte Vorteile. Bedenken oder Gesundheitsrisiken werden oft außen vorgelassen.

Was ist Glucose-Tracking?

Glucose-Tracking bedeutet nichts anderes, als den eigenen Blutzuckerspiegel regelmäßig zu messen und zu analysieren. Vielleicht kennst du noch die klassischen Blutzuckermessgeräte, die durch einen Stich in den Finger anhand des Blutes Aufschluss über den Zuckerwert geben?

Inzwischen sind jedoch kleine, weiße knopfartige Mini-Sensoren im Einsatz. Diese modernen Glucose-Messsysteme (CGM) liefern über einen Sensor am Arm oder Bauch kontinuierlich Daten. Genau diese Daten sollen dir zeigen, welchen Einfluss deine Mahlzeiten, Bewegung und andere Faktoren im Laufe des Alltags auf deinen Blutzuckerspiegel haben. Bleibt er eher flach? Steigt er stark an? Diese Infos sollen dir helfen herauszufinden, wie du deinen Blutzuckerspiegel unter Kontrolle hältst.

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Wie genau läuft das Tracking ab?

Es braucht nur einen kleinen Pieks, um den Sensor durch Fäden mit deiner Haut zu verbinden. Der Sensor selbst ist kaum größer als eine 2-Euro-Münze und wird meist am Oberarm getragen.

Der Vorteil: Du musst dir nicht in den Finger stechen, um an Messdaten zu kommen, und die Messungen können nach jedem Snack über eine passende App abgelesen werden. Um den genauen Überblick zu behalten, welche Nahrungsmittel welche Reaktion deines Blutzuckerspiegels auslösen, werden die einzelnen Lebensmittel in die zugehörige App eingetragen. So kann man am Ende auch die richtigen Rückschlüsse ziehen und weiß, worauf man besser verzichten sollte.

Der glykämische Index – kurz erklärt

Der glykämische Index (GI) gibt an, wie stark ein Lebensmittel den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt. Lebensmittel mit niedrigem GI – etwa Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte oder Gemüse – sorgen für eine langsamere und gleichmäßigere Glucose-Freisetzung und damit auch zu einem gemäßigten Anstieg. Die stabilen Blutzuckerwerte, die dadurch entstehen, halten dich länger satt.
 

Für wen ist Glucose-Tracking gedacht?

Ursprünglich wurde die Technologie für Menschen mit Diabetes, der sogenannten „Zuckerkrankheit“, entwickelt. Betroffene dieser Stoffwechselstörung haben entweder zu wenig Insulin im Körper oder die Insulinwirkung reicht nicht aus, um den Blutzuckerspiegel auszugleichen. Das kann zu enormen Schwankungen führen, die zu einer lebensbedrohlichen Überzuckerung führen können. Deswegen ist es für Diabetikerinnen und Diabetiker so wichtig, den Blutzuckerspiegel im Blick zu haben.

Hilft Glucose-Tracking beim Abnehmen?

Durch den Selbstoptimierungs-Trend hat sich dieser essenzielle Sensor zu einem echten Lifestyle-Produkt gemausert. Gerade bei Fitnessfans findet er Anklang. Interessierte haben sich die Kontrollfunktion zu Nutze gemacht und sind überzeugt: Wer den Blutzuckerspiegel stabil hält, umgeht Heißhungerattacken und verliert so das ein oder andere ungeliebte Kilo. Dass die Idee hinter dem Hype sogar aufgehen kann, scheint die Wissenschaft an einigen Stellen zu belegen. Eine Studie bestätigt, dass ein Machine-Learning-Algorithmus die glykämische Reaktion präzise vorhersagen kann. Dieser Algorithmus berücksichtigt dabei persönliche Faktoren wie Blutwerte oder Ernährung. Dadurch sei eine personalisierte Ernährung möglich, die nachweislich Blutzuckerwerte senken könne.

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Doch auch hier ist Vorsicht geboten! „Nur das Anbringen des Monitors am Körper wird nicht die Fettpölsterchen schmelzen lassen“, sagt Kardiologin Priv.-Doz. Dr. med. Katharina Lechner. „Die Informationen, die man daraus bezieht, können entscheidend helfen, eine gezielte und sinnvolle Verhaltensänderung zu starten und unsere Selbstwirksamkeit deutlich zu erhöhen.“ Allerdings betont sie hier auch den Begriff „Verhaltensänderung“: „Ich sage das ganz bewusst, da neben unserem Ernährungsverhalten beispielsweise auch unser Schlaf- und Bewegungsverhalten sowie unsere Art, mit Alltagsstressoren umzugehen, entscheidenden Einfluss auf den Blutzuckerspiegel nehmen.“ Mit einer einfachen Messung und schnellen Rückschlüssen ist es an der Stelle also nicht getan.

Wann sind Blutzuckerwerte wirklich bedenklich?

Während kurzfristige Schwankungen völlig normal sind, können dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte ein Warnsignal für eine gestörte Glucoseverwertung sein – etwa bei Prädiabetes oder Diabetes. Doch wie erkennt man, ob die eigenen Werte im gesunden Bereich liegen?

Die folgende Tabelle* gibt einen Überblick über normale Blutzuckerwerte. Wer regelmäßig Werte außerhalb dieser Norm misst, sollte dies mit einem Arzt besprechen.

 

Diabetes-Deutschland.de

Zustand Blutzuckerwert normal

Nüchtern

< 100 mg/dl (< 5,6 mmol/l)

2 Stunden nach dem Essen

< 140 mg/dl (7,8 mmol/l)

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Was sind die Nachteile von Glucose-Tracking?

Aber Achtung! Bevor du auf den Hype-Zug aufspringst, solltest du noch ein paar Fakten beachten:

  • Die falsche Zielgruppe wurde getestet

    Eine Vielzahl der Studien zum Blutzuckertraining wurde mit Menschen mit Diabetes Typ-1 oder Typ-2 durchgeführt. Personen mit der Stoffwechselkrankheit kann man mit gesunden Menschen in diesem Fall aber nicht wirklich vergleichen.

  • Kontrolle kann auch ausarten

    Vielleicht besitzt du bereits eine Sportuhr, die dir jederzeit deinen Puls anzeigt oder deine Schrittzahl pro Tag verrät. Dann ist dir womöglich schon aufgefallen, dass man schnell ein exzessives Verhalten in der Selbstoptimierung entwickeln kann. Frei nach dem Motto: „Da muss noch mehr gehen.“ Die Folge können Selbstzweifel und Ängste sein, wenn man die gesetzten Ziele nicht (immer) erreicht.

  • Problematisches Essverhalten kann entstehen

    Der Fokus auf den Blutzuckerspiegel und die ständige Kontrolle können dazu führen, dass du dich sehr einseitig ernährst. Ausgewogene Mahlzeiten könnten zu kurz kommen und das Gefühl für deinen eigenen Körper nimmt ab. Dies kann schlimmstenfalls zu einer Essstörung führen.

Glucose-Tracking – auch was für dich?

Glucose-Tracking kann durchaus helfen, das Bewusstsein für Lebensmittel und den eigenen Stoffwechsel zu schärfen. Bist du gesund, ist eine ständige Kontrolle durch den Knopf am Arm und eine App jedoch nicht dringend nötig. Wenn du dich gesund ernährst, auf eine ausgewogene Mischung aus Kohlenhydraten, Proteinen und gesunden Fetten achtest und regelmäßig Bewegung in deinen Alltag einbaust, investierst du in jedem Fall an der richtigen Stelle. Wenn du trotzdem mit dem Gedanken spielst, dass Glucose-Tracking das Richtige für dich ist, rät Dr. med. Katharina Lechner dazu, den Einstieg ernst zu nehmen: „In Deutschland sollten sich die Anwenderinnen und Anwender zumindest bei Erstnutzung gut beraten lassen, da keine Einführung in die Technologie integriert ist. Dadurch kann unnötige Verunsicherung entstehen, oft auch bedingt durch Halbwahrheiten, welche etwa in Bezug auf „Blutzuckerspitzen“ auf gängigen sozialen Medien kursieren.“

Überlege dir also gut, ob du auf diesen Trend aufspringen möchtest oder einen Weg in einen gesunden Alltag auch ohne den kleinen Sensor findest.

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IKK classic

Veröffentlicht am 01.04.2025

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